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05.10.2011

Unser Merlot, der Pirat

In einer Blindverkostung von französischen und italienischen Merlots erregte unser Merlot 2006 als Pirat große Aufmerksamkeit.

Milan Pischler, Gastwirt vom Restaurant Alt Kitzbühel in Kitzbühel, organisierte eine Blindverkostung in einem Kreis ausgewählter Weinliebhaber. Das Thema des Abends war (ua im Hinblick auf die Entwicklungen im asiatischen Markt, dem Klimawandel etc): Merlot aus jungen Jahrgängen und die Tendenz der Weingüter, Weine zu produzieren, die schon jung getrunken werden können.

Verkostet wurden:

Château Le Fleur Petrus 2004, 2006
Château Petrus 1947 VDM
Château Petrus 2004, 2006
Masseto 2004, 2006 Frescobaldi
Messorio 2004, 2006 Le Macchiole
Desiderio 2004, 2006 Avignonesi
Galatrona 2004, 2006 Petrolo
Patrimo 2004 ,2006 Feudi di San Gregorio
Giramonte 2004, 2006 Frescobaldi
L`Apparita 2004, 2006 Castello di Ama
Als Pirat: Merlot 2006 Pöckl

Wir haben den folgenden Auszug aus den Verkostungsnotizen erhalten:

Masseto 2004
Im Glas fast schwarz mit schönem Wasserrand, mit Luft unglaublich opulent in der Nase, am Gaumen anfangs ein Korb mit dunklen überreifen Beeren, schon recht zugänglich, später am Gaumen getrocknete Kräuter, leicht nach Rumtopf und etwas Bitterschokolade, etwas brandig mit gut eingebundenen Tanninen, haftet sehr lange

Masseto 2006
Tiefdunkel im Glas, in der Nase anfangs heftig laktisch (Landliebe Heidelbeer Joghurt), wirkt sehr rund am Gaumen aber wenig Finesse und Struktur, einfach nur dicht, opulent, Säure schon extrem eingebunden, Tannine total geschmeidig, keine Ecken, keine Kanten, wirkt total extrahiert, eigentlich eine Enttäuschung (der neue Stil aus der Maremma)

Château Petrus 2004
Unglaublich wie zugänglich dieser Wein schon ist, schöne Röstaromen, anfangs etwas fleischig, mit Luft leicht nach Trüffel, Leder und Kirschen, am Gaumen sehr vielschichtig, komplex mit spielender Säure, auch Anklänge von Süßholz und Wacholderbeeren, tiefgründiges Tannin, schönes Spiel zwischen Primärfrucht und tertiären Aromen vom Fass, keine zuschnürende Wucht, alles fein ausbalanciert

Château Petrus 2006
Anfangs in der Nase ziemlich dumpf, mit Luft explodiert er förmlich, fleischige Brombeeren, Preiselbeeren und Leder, am Gaumen grünstingelig, aber angenehm stoffig, angenehme Fruchtsüße mit sehr feinen Tanninen, wirkt sehr ausbalanciert, beim Nachverkosten leicht nach Zigarren, leicht rauchig, Anklänge von Myrrhe

Messorio 2004
Meiner Meinung der beste Merlot aus der Toscana, unglaublich vielschichtig in der Nase, Karamell, Kaffee, dunkle Schokolade und reife Kirschen, tolle Säure, am Gaumen total gut eingebundene aber verspielte Säure wirkt nie aufdringlich, sehr ausgewogen mit zupackenden Tanninen


Desiderio 2004
In der Nase lebendige Frucht, leicht orientalische Gewürze, mit Luft Dörrpflaumen, schwarze Oliven mit ätherischen Anklängen, am Gaumen sehr
geradlinig ohne große Überraschungen

Desiderio 2006
In der Nase Powidlkonfit mit schönen Röstaromen, schwarze Oliven, leicht nach Ananas, am Gaumen viel dichter als der 2004er, noch lebendige Säure, Anklänge von Bitterschokolade

Galatrona 2004
In der Nase fleischige Früchte, etwas scharf, Gewürznelken und Früchtebrot, wirkt am Gaumen sehr warm und ätherisch, Anklänge von Espresso und After Eight, gut eingebundene Säure

Galatrona 2006
In der Nase anfangs leicht brandig, mit Luft etwas Rumtopf, mit süßen Früchten, am Gaumen noch sehr unharmonisch, freistehende Säure,  lebendige Tannine, beim Nachverkosten Dörrpflaumen und etwas harmonischer, eindeutig viel zu jung oder momentan eine schlechte Phase in der Flasche

L´Apparita
Einstimmig die Enttäuschung des Abends, wir dachten das ist der Pirat,
einfach nur stumpf, unpräzise Frucht, sehr alkoholisch, keine Finesse

Merlot Pöckl
Vorab, Gratulation zu diesem Wein
Anfangs etwas verhalten, mit Luft verändert es sich minutiös, dunkler Beerenkorb, etwas Kirschen, Powidl abgelöst von Kaffee, fruchtiges kraftvolles Spiel am Gaumen, kraftvoll wie Masseto aber nicht so opulent, viel finessenreicher, unglaublich schönes Tanningerüst mit ausgeprägter Säurestruktur, beim Nachverkosten sehr elegant mit getrockneten Kräutern
und schönem Trinkfluss; Der Sieger der Verkostung

Zusammenfassend zieht der Gastgeber folgendes Resümee:

Leider verliert die Maremma, die Heimat der super Tuscanys, ihre Identität - früher wurden dort Weine mit Charakter produziert.

Die Weine aus dem Bordeaux werden auch moderner, doch Petrus ist weiterhin outstanding.

Die Weine aus Österreich sind zwar auch modern geworden (Salzberg usw), doch es gibt noch Ausnahmen.

Milan Pischler: "Leider Gottes ist Pepi Pöckl viel zu früh gestorben, doch seine Philosophie kann man in jedem Glas Merlot schmecken. Mit ihm hat Österreich eine Persönlichkeit, einen Pionier des österreichischen Weinbaus verloren."